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Die Presse übernimmt in einer demokratischen Zivilgesellschaft, wie sie die Bundesrepublik Deutschland verkörpert, eine zentrale Rolle. Sie vermittelt das Geschehen, und sie vermittelt zwischen denen, die das Geschehen gestalten, und denen, für die das Geschehen gestaltet wird. Also beispielsweise zwischen den politischen Eliten und der Bevölkerung, die im Idealfall auch politisch ist, nicht selten jedoch nicht ideal und also verdrossen.

Fackel

Die Fackel im Ohr? Haben wir natürlich. Aber es geht uns auch im die Rettung der (ostdeutsche) Zunge sprich: Stimme sprich: Perspektive und also das jeweilige Augenspiel. Und um das Gewissen der Worte wider der Blendung und selbstverständlich auch um Masse und Macht, und wer noch etwas von Elias Canetti in diesem Kontext unterbringen kann, ist herzlich dazu eingeladen. Und auch sonst.

Die Presse moderiert Öffentlichkeit, einen Begriff, dessen Bedeutungsumfang man sich durchaus öfter einmal bewusst machen sollte. Sie kann sich bei dieser Aufgabe auf ein Freiheitsrecht (Art. 5 GG Abs. 1) berufen.

Für den Vollzug ihrer Berichterstattung hat sie sich jedoch selbst ihre Arbeit beschränkende Leitlinien gegeben. Der Pressekodex umfasst 16 Grundsätze, die mitunter, so scheint es, nicht immer in der Berichterstattung berücksichtigt werden.

Alexander Fromm, Initiator und Ko-Blogger auf dieser Plattform, zeigte diesbezügliche Lücken bereits in der initialen Beschreibung zum Projekt auf: Journalistische Sorgfalt (Ziffer 2), bisweilen die Methoden der Recherche (Ziffer 3), die Achtung der Persönlichkeitsrechte (Ziffer 8) sowie der Schutz der Ehre (Ziffer 9), die Zügelung der Sensationsberichterstattung (Ziffer 11), das Diskriminierungsverbot (Ziffer 12) und im Zusammenhang mit dem Selbstbild der Ostdeutschen auch die Schmähung bestimmter Weltanschauungen (Ziffer 10) werden in der Berichterstattung allzu oft durch Stereotypen, knallharten Storyjournalismus um jeden Preis, Bloßstellungen der Betroffenen, reißerische Aufladung und Verachtung der trotz allem identitätsbildenden biografischen Hintergründe des Sozialismus, die unzweifelhaft bei vielen Ostdeutschen nach wie vor gegeben sind, ersetzt.

Glücklicherweise halten sich totale Eskalationen in Grenzen. Aber es gibt sie und ein Anliegen dieses Weblogs ist es, eine Art virtuelles Archiv all dieser plumpen und auch raffinierten Klischees, Ausfälle, Missverständnisse und Irrtümer anzulegen, die sich in Zeitung, Funk und Fernsehen seit je (also in einer Traditionslinie gewissermaßen seit der Nachkriegszeit) finden und auch sicher noch lange Zeit finden lassen.

Es geht dabei weniger darum, allgemein mit dem Finger auf berufsethische Verstöße einzelner Journalisten oder Redaktionen zu zeigen, sondern darum, ihn in die Wunden zu legen, die nicht zuletzt aufgrund einer einseitigen und tendenziösen Berichterstattung entstehen und/oder offen gehalten werden.

Parallel sollen langfristig bestimmte Diskurslinien, Leitbilder und wiederkehrenden Vorurteile systematisiert werden, um sie möglicherweise irgendwann anhand des konkreten Materials selbst zum Gegenstand einer Debatte zu machen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei gerade nicht auf zuweilen holzhammerartig dargebotene Abkanzelungen des Ostens, sondern auf den eher unterschwelligen, oft einfach unsensiblen (Vorbe-)Wertungen, die ihre Wurzel zu nicht geringem Teil in zwei miteinander eng verwobenen Tatsachen haben:

(1) In den alten Bundesländern bzw. der alten Bundesrepublik sozialisierte Menschen haben erfahrungs- und naturgemäß nur ein bestensfalls extrinsisches Verständnis für ostdeutsche Prägungen und Mentalitäten. Je weniger Zeit jemand in Ostdeutschland verbrachte, desto ausgeprägter scheint dieser Mangel.
(2) Die deutsche Presselandschaft wird bislang weitgehend von Eliten und Redaktionen mit westdeutschem Hintergrund und entsprechenden Erfahrungs- und Wahrnehmungsmustern geprägt.

Gerade wir mit unseren ostdeutschen Biografien sehen sehr vieles, was in Ostdeutschland auch an typisch Ostdeutschem vor sich geht, durchaus mit Skepsis, einiges mit Enttäuschung, manches mitunter sogar mit Bitterkeit. Legen wir die Zeitung daneben, dann scheint es jedoch, als sehen wir das Ganze mit anderen Schwerpunkten, mit anderen Fragen, in anderen Kontexten, mit anderen möglichen Folgen und Handlungsnotwendigkeiten.

Wenn es uns gelingt, an dieser Stelle und auf dieser Basis ein kleines Gegengewicht mit dem Ziel eines verstehenden Ausgleichs zu entwickeln, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Das Projekt ist offen und zwar sowohl für Hinweise und Materialien wie auch für die konkrete Mitarbeit. Rückmeldungen und Anregungen sind jederzeit willkommen und können gern auch auf der Facebook-Seite zum Projekt hinterlassen werden.

Gitter Bild

Digitale Dokumentationsstelle für die Presseberichterstattung über Ostdeutschland.

Demnächst an dieser Stelle.

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